Entscheidung für eine Hausgeburt

Unsere Tochter hat sich selbst bestimmt, mit einem Ei-Sprung außerhalb der Reihe, als wollte sie gerade jetzt zu uns. Überraschend und doch unglaublich schön. Nicht einen Tag der Schwangerschaft haben wir daran gezweifelt, dass dieses Kind gesund auf die Welt kommen würde. Schließlich wollte sie ja zu uns. Und nur deshalb kam auch der Gedanke an eine Hausgeburt. Ich fühlte mich stark genug und wollte unsere Tochter in vertrauter Atmosphäre zur Welt bringen. Bei gedämpftem Licht sollte sie sich langsam im Kreise vertrauter Stimmen an ihre neue Welt gewöhnen.

Und ich hoffte, bei der Geburt nur Menschen um mich herum zu haben, denen ich ganz besonderes Vertrauen schenke. Die Nähe, die ich zu Simone schon während der Schwangerschaft aufgebaut habe, hat mich in meinem Tun und Handeln viel sicherer gemacht. Sie war da und ich konnte mich fallen lassen.

Genauso wollte ich die Geburt natürlich erleben, ohne Schmerzmittel, weil diese unserem Kind unter Umständen doch nicht ganz so gut tun. Und auch eine PDA wollte ich möglichst vermeiden, weil ich nicht wollte, dass meine Schmerzen genommen sind, aber unsere Tochter mit normalen Schmerzempfinden beinahe alleine durch die Geburt muss.

Nie werde ich das Gefühl vergessen, als Simone mir die Kleine, zwischen meinen Beinen hervor, direkt in meine Arme gegeben hat, durch die Nabelschnur noch mit mir verbunden. Meine Beine haben aufgrund der ganzen Anstrengung gezittert. Dieser erste Moment erscheint mir heute wie eine kleine Ewigkeit.

Alles geschah ganz ohne Hektik, mit viel Ruhe und Wärme. Auch die erste Untersuchung hat Simone neben mir auf dem Sofa vorgenommen, so dass ich unsere Tochter gut sehen und berühren konnte. Ich wollte die Kleine da noch ganz nah bei mir haben, konnte noch nicht loslassen.

Ich bin mir sicher, dass es für mich keine bessere Entscheidung hätte geben können, als mich für eine Hausgeburt zu entscheiden. Und auch mein Mann meinte in der ersten Nacht mit unserer Tochter zu mir, dass bisher der schönste Tag in unserem Leben unser Hochzeitstag war, es aber ab sofort der Tag der Geburt unserer Tochter sein wird.


Liebe Mütter und Väter,

als ich 1998 der Geburt meines ersten Kindes entgegenfieberte, nahm ich sehr früh den Kontakt zu einer Hausgeburtshebamme auf.

Meine beste Freundin hatte zuvor ihr Kind zuhause auf die Welt gebracht und ich wünschte mir dies für mich, das Kind und meinen Mann aus folgenden Gründen auch:

  • den persönlichen Bezug zu meiner Hebamme zu haben, zu wissen, wer während der Geburt für mich da ist
  • die Atmosphäre, die man zuhause schaffen kann und sich auch traut vorzubereiten
  • der Wunsch nach Ungestörtheit und Intimität, sich keine Sorgen zu machen, was man darf oder soll
  • das Wissen, dass ich mich zuhause wohl fühle und hier am besten loslassen kann, mich meiner Aufgabe voll hingeben kann
  • das Gefühl, dass ich nicht krank bin und deshalb auch keinen Anlass sehe, in ein Krankenhaus zu gehen
  • die Übereinstimmung mit meinem Partner, dass wir uns das gemeinsam zutrauen

Der Kontakt zur Hebamme wurde immer enger, da ich mehr und mehr Vorsorgen bei ihr machte. Meine Tochter ließ sich viel Zeit, und ich ging mehrmals in Krankenhäuser zur Kontrolle. Obwohl ich selbst Krankenschwester bin, fühlte ich mich jedesmal völlig erleichtert, wenn ich wieder zuhause war. Mein Entschluss stand fest und unsere Tochter kam - langsam und zögerlich, aber gesund und munter - zuhause zur Welt.

Da die Geburt nur schrittweise voranging, konnte ich mich während der Wehen auf mein Bett legen, wo ich von meiner Hebamme dann sanft massiert wurde. Während ich schlief, ging sie mit meinem Mann hinaus, um etwas zu trinken und Luft zu schnappen. Wenn ich sie brauchte, war sie sofort für mich da. Die ersten starken Wehen über saß ich auf dem Gebärhocker, später auf dem Wohnzimmerteppich im Fersensitz. Während der Wehen konnte mein Mann mir mit dem Druck seiner Füße auf mein Steißbein viele Schmerzen erleichtern, so dass ich direkt nach der Geburt unserer Tochter sagte: das kann ich nochmal.

Als ich 2000 wieder schwanger war, stellte sich für uns die Frage - Hausgeburt oder nicht - überhaupt nicht mehr. Schade war für uns nur, dass “unsere” Hebamme weggezogen war und wir nur hoffen konnten, dass eine andere den weiten Weg auf sich nehmen würde.

Glücklicherweise sagte Simone Boley zu. Ich machte den größten Teil der Vorsorge und auch die Geburtsvorbereitung bei Simone. Wir führten sehr viele so innige und wertvolle Gespräche, ich hatte das Gefühl, dass ich mich mit jeder Frage an sie wenden konnte.

Meine zweite Tochter hatte es wohl eilig und kam kurze Zeit nach Simones Eintreffen zur Welt. Während der Geburt kniete ich vor dem Sofa und hatte kaum Zeit mich zu wundern, wie anders diesmal alles war.

Manchmal sitze ich mit meinen Kindern auf eben diesem Sofa mit genau dem Teppich davor, und wir schauen uns ihre Bücher bzw. Alben an. Da sind Geburtsberichte von ihren Hebammen drin, Fotos von Mama während der Geburt und von allen dreien kurz danach. Vor allem steht eine Menge geschrieben über meine Gefühle, die unglaublichen Veränderungen, die in meinem Leben stattgefunden haben. Beide Hebammen haben mich nicht nur vor und während, sondern vor allem nach der Geburt durch so vieles so liebevoll begleitet. Ich bin nicht nur dankbar, zwei Kinder geboren zu haben, sondern weiß es auch zu schätzen, wie viel Liebe, Sorgfalt, Respekt und Aufmerksamkeit meinen Kindern, meinem Mann und mir entgegengebracht wurden.


Öffnen und loslassen

Unseren beiden Kinder habe ich zuhause mit Unterstützung meines Mannes und Simone auf die Welt geholfen. Ich bin sehr dankbar darüber, noch heute (3 und 1 Jahr später) betrachte ich oft die Plätze wo sie geboren wurden und bekomme immer noch eine Gänsehaut dabei.

Als ich mich damals bei meinem ersten Kind für eine Hausgeburt entschloss, war der Hauptbeweggrund, dass es mir undenkbar war, in einer fremden Umgebung mit fremden Menschen mich so zu öffnen und loszulassen, um ein Kind zu gebären. Hier, in unserem Haus, unserer Vertrautheit, unseren Gerüchen und Geräuschen wollte ich gebären und danach zuhause sein mit meinem Mann und unserem Baby.

Eine Geburt ist immer wieder ein Wunder, bei dem die Liebe und Vertrauen eine sehr große Rolle spielen. Ich bin während der Geburt in den Geburtsschmerz hineingegangen. "So war dies alles ein Akt von Klarheit und Konzentration. Einerseits war ich wie in Trance, ließ die Wehen durch mich durchfließen, sie in mir wirken, andererseits musste ich immer wissen, was das Thema war und darauf meine Kraft hinschicken." (Auszug aus meinen Aufschrieben)

Simone als Hebamme war mir eine wichtige Begleiterin, die mich in den entscheidenden Momenten in meiner Kraft als Frau und dem Vertrauen an das Universum unterstützt hat.


Stolz und unversehrt

"Du bist aber mutig.", sagen mir viele, wenn sie hören, dass ich meinen Sohn Samuel zu Hause bekommen habe. Ich fühlte mich gar nicht so mutig. Vielmehr war mir schon lang klar: Wenn ich mal ein Kind kriege, dann zu Hause mit einer Hebamme und meinem Mann.

Krankenhäuser habe ich durch zwei Erlebnisse in der Kindheit in sehr schlechter Erinnerung. Außerdem hatte ich den direkten Vergleich. Nach der Geburt meiner Nichte im Krankenhaus: mein Schwager, der nicht in erster Linie Vater, sondern ein Besucher unter vielen war und keinen angemessenen Platz fand. Meine Schwester, die so grob genäht wurde, dass sie das als schlimmer empfand als die gesamte Geburt. Das Kind, das in einem Riesenzimmer mit anderen Säuglingen war und das wir nicht einmal hören konnten. Die ganze Atmosphäre: Tür auf, Tür zu, fremde Besucher am Nachbarbett...
Und dann die Geburt des Sohnes einer guten Freundin zu Hause: Ich mit den beiden anderen Kindern unmittelbar danach im Wohnzimmer, wo die Geburt stattgefunden hatte. Wärme, sanftes Licht, die ganze Familie auf dem großen aufgeklappten Sofa, der Säugling immer in der Nähe der Mutter. Es war wunderschön und hat mich sehr berührt.

Umso glücklicher war ich, dass bei mir nichts gegen eine Hausgeburt sprach. Was sind meine besonderen Erinnerungen? Als die Wehen spürbar wurden aber noch auszuhalten waren, gegen Mitternacht, stand ich alleine auf und richtete das Wohnzimmer her: Geburtskerze, Duftlampe, Musik. Ich genoss das Alleinsein mitten in der Nacht. Als die Wehen stärker wurden, weckte ich meinen Mann. Ich weiß nicht mehr genau, wie viel Zeit zu zweit wir hatten, bis Simone kam. Auf jeden Fall war es beruhigend, dass sie da war. Sie gab Sicherheit und hielt sich ansonsten im Hintergrund; ließ meinen Mann und mich machen. Ich erinnere mich an den Mut, den sie mir gab, indem sie mein Vertrauen in mich und das Geburtsgeschehen stärkte: „Es tut weh, ja, aber dein Körper funktioniert wunderbar. Der Muttermund ist schon weit offen…“ Und später: „Fühl mal, das Köpfchen ist draußen!“ Das hat so viel Kraft gegeben. Und trotz aller Schmerzen hatte ich zu keinem Zeitpunkt Angst oder gar Panik. Ich fühlte mich bei meinem Mann mit Simone im Hintergrund geborgen und konnte mich voll auf die Geburt konzentrieren.

Als Samuel dann da war, war es wunderschön: Zeit zum Begrüßen, Freudentränen, ruhige Hilfe beim ersten Anlegen, Unterstützung für mich in körperlicher und seelischer Hinsicht. Merkwürdigerweise konnte ich längere Zeit kein Wasser lassen. Wo ich in der Klinik aller Wahrscheinlichkeit nach einen Katheter gelegt bekommen hätte, hat Simone durch ein Gespräch dazu beigetragen, dass meine Tränen über den Schmerz fließen konnten - und damit dann auch der Rest...

So bin ich die gesamte Geburt über ganz und unversehrt geblieben, was mir in der Rückbildung deutlich wurde. Dort berichteten, Wochen und Monate nach der Geburt, einige Frauen von Erlebnissen im Krankenhaus, unter denen sie noch immer litten. Eine Freundin, die auch zu Hause geboren hatte, und ich sahen uns an und konnten es nicht verstehen. Unsere Geburten waren zwar noch in unserer Erinnerung lebendig, aber nichts tat weh, sondern wir sind noch heute unbändig stolz, dass wir unsere Kinder aus eigener Kraft bekommen haben. Ich bin Simone zutiefst für diese Erfahrung dankbar.


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