Geburt

Seit 1995 begleite ich mit großer Freude Hausgeburten und dies immer noch mit einem Staunen über das Wunder "Geburt".

Zum Thema Hausgeburt gibt es unendlich viele Meinungen und Fragen. Die Fragen sind meist die gleichen: "Kann da nix passieren?" und "Das ist doch so eine Sauerei. Wie geht das mit dem ganzen Blut und Fruchtwasser?" und "Was sagen die Nachbarn, wenn die mich schreien hören?" Diese und andere Fragen können Sie mir ganz unverbindlich stellen.

Falls Sie sich für eine Hausgeburt interessieren, werden wir einige Termine ausmachen, bei denen wir die Risiken einer Geburt, den Ablauf einer Hausgeburt, die Vorbereitungen und das Wochenbett besprechen werden.

Vertrauen und das persönliche Kennen spielen eine große Rolle zum Thema Sicherheit.

Emotional fühlt sich eine Frau am sichersten, wenn sie in ihrer eigenen Umgebung ist, Menschen um sich hat, die sie kennt und vor allem nicht in ihrem natürlichen Geburtsverlauf gestört wird. So kann die Frau ihren natürlichen Instinkten folgen. Diese sind für eine gut verlaufende Geburt unerlässlich. Zu Hause ist die Chance, dies alles zu verwirklichen, größer als in der Klinik. .... Die Hebamme entscheidet gemeinsam mit der Frau bzw. mit dem Paar, ob eine Hausgeburt möglich ist oder nicht.

Der Geburtsverlauf und die kindlichen Herztöne werden von mir ebenso kontrolliert wie in der Klinik, nur mit teilweise anderen Methoden. Der Partner fühlt sich meist kompetenter, da er seiner Frau näher sein kann. Auch werden bei ihm so die Instinkte des Beschützers und des werdenden Vaters wach. Er kann seine Frau intuitiv begleiten, da beide in ihrer gewohnten Umgebung sind und ich der Gast bin. Sie müssen sich nicht nach äußeren Gegebenheiten richten. Auch dies spielt eine nicht unerhebliche Rolle für einen ungestörten Geburtsverlauf. Der Schmerz der Geburt allerdings bleibt nie aus, doch kann das Kind so in Ruhe geboren werden. Und zwar an dem Platz und in der Geburtsposition, die die Frau selbst wählt.

Ist das Kind geboren, nimmt die Mutter das Kind selbstständig zu sich. Dann haben die Eltern ausgiebig Zeit, ihr neugeborenes Kind zu begrüßen und zu bestaunen. Wenn die Nabelschnur auspulsiert ist, kann die Mutter oder der Vater die Nabelschnur durchtrennen. Kurze Zeit später kommt dann die Nachgeburt.

Nach der Geburt kann das Kind in aller Ruhe bei der Mutter bleiben und wird dann zum ersten Mal an der Brust trinken. Während dieser Zeit untersuche ich die Nachgeburt, zeige und erkläre sie den Eltern, räume auf, schreibe die Papiere, schaue immer wieder nach, ob es Mutter und Kind gut geht. Dann sind meistens schon anderthalb Stunden vergangen, und es ist Zeit, die erste Untersuchung beim Kind zu machen, die sogenannte U1. Dazu braucht man keinen Kinderarzt, dies ist - auch in der Klinik - die Aufgabe der Hebamme.

Das Kind wird von Kopf bis Fuß angeschaut, gemessen und gewogen. Die Untersuchung wird in das gelbe Untersuchungsheft eingetragen. Auch die Untersuchung des Kindes findet bei der Mutter statt, so dass ihr Kind nie von ihr wegkommt und sie alles mitbekommt, was ich mache.

Ist die Untersuchung beendet und das Kind zum erstenmal angezogen, schläft es meist schon friedlich. Wenn es Geschwisterkinder gibt, sind sie spätestens zu diesem Zeitpunkt da, um ihr neues Geschwisterchen zu bestaunen. Zum Thema Geschwister: Hier kann ich nur sagen - machen Sie sich keine Sorgen. Es ist gut jemanden zu haben, der im Bedarfsfall nach den Kindern schaut bzw. sie mitnimmt - aber es ist keine Notwendigkeit. Die Begrüßung durch die Geschwister ist eines der schönsten Erlebnisse bei der Hausgeburt. Es gibt nicht nur die Mutter-Kind-Bindung, Vater-Kind-Bindung, es gibt auch die Bindung mit den Geschwistern. Und es ist schön, wenn diese eine Nase voll nehmen können, von dem wunderbaren Geruch eines neugeborenen Kindes, unbeschreiblich. Ein Kind sagte einmal: "Mama, der riecht so gut, und der war nicht mal in der Waschmaschine".

Wenn nun dies alles geschehen ist, werde ich mit der Frau aufstehen, zur Toilette gehen, sie darf duschen, und es wird für sie alles gerichtet, so dass auch sie sich wie neugeboren fühlen kann. Liegt eine Geburtsverletzung vor, entscheide ich, ob diese genäht werden muss. In den meisten Fällen ist es so, dass die Risse von selbst gut heilen und nur etwas Pflege bedürfen. Ist Nähen erforderlich, werde ich dies mit lokaler Betäubung tun.

Seit der Geburt sind jetzt 2-3 Stunden vergangen. Ich kläre die Eltern über die nächsten Stunden auf, was so alles noch kommen kann und verabschiede mich dann, bleibe weiter in Rufbereitschaft und komme nach 12 Stunden wieder, um meine erste Nachsorge zu machen, d.h. den ersten Wochenbettbesuch.

Tauchen während des Geburtsverlaufes Unregelmäßigkeiten bzw. Probleme auf, werde ich nicht lange zögern, die Geburt in die Klinik zu verlegen. Meist bahnen sich die Dinge langsam an und man hat noch genügend Zeit, sich auf den Weg in die Klinik zu machen. Nie würden ich oder eine meiner Kolleginnen eine Hausgeburt bis zum Letzten ziehen. Lieber gehen wir mal "umsonst" in die Klinik, und es verläuft dann doch alles normal.

In der Klinik übergebe ich dann das Paar an die diensthabende Hebamme und verabschiede mich. Der Kontakt zu den Kolleginnen in den umliegenden Kliniken ist ausgesprochen gut.

Was vielen nicht klar ist, ist die Tatsache, dass eine Hebamme dafür ausgebildet ist, eine normal verlaufende Geburt eigenständig durchzuführen und zu begleiten. Es besteht keine Hinzuziehungspflicht eines Arztes. Der Arzt wiederum muss eine Hebamme zur Geburt rufen, er ist nicht befähigt, diese allein durchzuführen. Die Hebamme ist die Fachfrau für die Geburt.

Zur Information:
Ich arbeite mit drei Kolleginnen zusammen. Bärbel Boven aus Kirchentellinsfurt, Karola Leibl aus Wannweil und Brunhild Schmid aus Tübingen. Wir bilden ein Team und vertreten uns in Urlaubs- und Fortbildungszeiten. Außerdem haben wir ein System der Wochenendbereitschaften, so dass jede von uns die Möglichkeit hat, wenigstens 1-2 mal im Monat am Wochenende frei zu haben. Auch bei etwas schwierigeren Verläufen stehen wir uns mit Rat und Tat zu Seite. Sollten mal zwei Geburten gleichzeitig sein, ist immer eine da, die einspringen kann. Dies bietet uns und auch den von uns betreuten Paare eine große Sicherheit. Die Rufbereitschaft für eine Hausgeburt beginnt 3 Wochen vor dem errechneten Termin und geht bis 2 Wochen nach dem errechneten Termin. Meine Kolleginnen und die Paare lernen sich rechtzeitig vor Beginn der Bereitschaft kennen. Diese Form der Zusammenarbeit hat sich über viele Jahre bestens bewährt.

Die Rufbereitschaft ist einer der Posten, die nicht in der Gebührenverordnung enthalten sind und von den Paaren selbst bezahlt werden müssen. In finanziell schwierigen Situationen lassen sich jedoch immer Regelungen finden. An dieser Hürde soll eine Hausgeburt nicht scheitern.


Wehenbetreuung

Falls sich eine Frau nicht endgültig zu einer Hausgeburt entschließen konnte, gibt es die Möglichkeit der Rufbereitschaft. Wenn die Geburt begonnen hat, schaue ich bei den werdenden Eltern zu Hause vorbei und wir entscheiden gemeinsam, wann es Zeit ist in die Klinik zu gehen bzw. ob wir nun doch zu Hause bleiben.


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